Das Ding meiner Kindheit für Werde

Leute 23. Juni 2015
Wenn wir Eltern werden, begegnen wir wie von selbst unserem kindlichen Ich. Wir kramen in unserer Geschichte, auf allen Speichern – und entdecken womöglich dieses eine Ding, das unser Gefühl von damals in sich trägt. Diese drei Mütter und drei Väter mussten nicht lange stöbern.
„Großmutters Schatz“ Angelika Stoll, 24, PTA, zwei Kinder „Zu meiner Geburt schenkte meine Großmutter mir ein Paar ihrer Ohrringe. Schmuck war zur damaligen Zeit rar und äußerst kostbar. Vier Jahre später übersiedelten wir von Kirgisistan nach Deutschland. Meine Oma Nadjeschda blieb zurück, ich erinnere mich noch, wie sie uns hinterherwinkte…… Anlässlich eines Besuchs meiner Oma in Deutschland, ließ ich mir Ohrlöcher stechen und trug ihren Schmuck. Es war unser letztes Zusammentreffen,bald darauf starb meine Oma Nadjeschda.“
„Familienfundus“ Otto D. Handschuh, 35, Künstler, zwei Kinder „Zu Familienfesten haben wir immer Theaterstücke inszeniert, meist waren es Märchen. Bei Schneewittchen durfte ich einmal den Oberzwerg spielen. Da habe ich mir Gartenzwerge in die Hosentaschen gesteckt, zwei vorn, zwei hinten und noch mal zwei in die Socken. So habe ich alle sieben Zwerge zugleich darstellen können…….“
„Achtung, Aufnahme“ Anneke Kim Sarnau, 40, Schauspielerin, zwei Kinder „Mein Vater hat mir diesen tragbaren Kassettenrekorder geschenkt, da war ich vielleicht fünf Jahre alt. Ich mochte gerne Geschichten hören. Mit dem Gerät, würde ich sagen, bin ich auf Reisen gegangen. Ich habe vor mich hin gebaut, gemalt, gebastelt und dabei Hörspiele gehört. Ich war in einer anderen Welt, und die Erdanziehungskraft war dann irgendwie auch weg. Wenn ich die Regler verstellt habe, konnte ich den Klang verändern, das fand ich lustig…..Ich habe damit auch aus dem Radio Musik aufgenommen…..Man hat es ja nie geschafft, mit dem Ende des Liedes zu stoppen. Oder meine Mutter hat von unten zu mir raufgerufen: ‚Anneke!‘ Und ich: ‚Jahaaa?‘ Und das war dann natürlich auch mit drauf.“
„Spiel des Lebens“ Christof Hierholzer, 45, Kunstvermittler, drei Kinder „Meine ersten drei Jahre verbrachte ich in Griechenland in Thessaloniki, mein Vater war dort Lehrer an der Deutschen Schule. Das Licht, die Sonne, das Blau des Himmels blieben als bruchstückhafte Erinnerung in mir bestehen. Wie auch der Klang der kleinen Würfel, die über Spielfelder klackerten, gekonnt geworfen von den allerorts anzutrefenden Spielern……“
„Vergissmeinnicht“ Olaf Becker, 34, Schauspieler, ein Kind „Mein Stück Kindheit, das ist eine Spielkasse von Fisher-Price. Ich verkaufte sie als Elfjähriger für 30 Mark, um mir eine VHS-Kassette von ‚Pretty Woman‘ leisten zu können – ich war sehr in Julia Roberts verliebt. Mit 20 entdeckte ich die Kasse dann auf einem Wohltätigkeitsohmarkt der CDU in meiner Heimatstadt wieder. Ich weinte ein bisschen, während ich sie für zwei Mark zurückerstand. Obwohl kein Name draufsteht, wusste ich schon aus der Ferne, dass es meine Kasse ist. Ich glaube fest daran, dass Dinge eine Seele haben. Sogar wenn sie aus Plastik sind.“
„Liebste Gefährtin“ Wiebke Knöbl, 38, Hebamme, drei Kinder „Wenn meine Mutter mich abends ins Bett legte, fielen ihre langen braunen Haare zu mir herab. Ich ergriff sie und ließ sie nicht wieder los. Als ich ein halbes Jahr alt war, schenkte meine Mutter mir eine Puppe. Sie hielt sie von nun an kopfüber zu mir herunter, sodass ich die Haare der Puppe griff und von denen meiner Mutter abließ…..“
Casting, Fotos und Protokolle

Portrait Otto D. Handschuh

Portrait Otto D. Handschuh

Portrait

Portrait Wiebke Knoebl

Portrait Olaf Becker

Portrait Wiebke Knoebl